China und Hongkong
China ist auf den ersten Blick alles andere als ein Anlegerparadies. Der Banksektor ist schwach aufgestellt und die Staats- und Parteiführung mischt in allen entscheidenden Dingen mit. Auch nach der wirtschaftlichen Öffnung will China ausländische Beteiligungen so gering wie möglich halten. Zudem ist die heimische Währung nicht voll konvertierbar. Zu allem kommen noch eingeschränkte Reisemöglichkeiten für Ausländer dazu, zum Teil noch ungeschultes Personal im Finanzsektor sowie unvermeidliche Sprachhürden, da nicht gerade viele Chinesen auch gut Englisch sprechen. Wer kann schon wirklich Chinesisch in Wort und Schrift ? Kein Wunder, dass Anleger bislang insgesamt wenig Vertrauen in den chinesischen Aktienmarkt hatte und noch sehr skeptisch und vorsichtig sind.
Doch China ist in einem Wandel begriffen - und dieser erfasst auch den Finanzplatz. China ist nur auf den ersten Blick kaum verlockend, auf den zweiten Blick lockt es schon sehr, denn das Reich der Mitte verfügt nicht nur über zahlreiche Sonderwirtschaftszonen mit Sonderbestimmungen, sondern vor allem über das Finanzzentrum Hongkong. Anders als die boomende Metropole Shanghai, die vor allem die Aufgabe hat, chinesischen Firmen Zugang zu heimischem Geld zu verschaffen, ist Hongkong Chinas Finanzplatz Nummer eins zur Beschaffung von internationalem Kapital für die Festlandsunternehmen.
Und für Banken der beste Ort, die gesamte Asien-Pazifik-Region abzudecken. Von den 100 weltweit größten Geldinstituten haben 70 einen Sitz in Hongkong. Das ist beeindruckend. Und wer dort als Ausländer sein Geld anlegen will, hat in dem ehemaligen Stadtstaat ein paar handfeste Vorteile. So ist das Bankgeheimnis in Hongkong gesetzlich verankert. Einkünfte und Erträgen werden nur dann besteuert, wenn diese in Hongkong entstanden sind. Sonstige Einkünfte sind steuerfrei. Es gibt weder eine Quellensteuer noch Doppelbesteuerungsabkommen. Dies alles sind sehr schlagende Argumente sich Hongkong und China näher anzusehen.
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